Seniorenservicebüro
Für die nächste Sitzung des Sozialausschusses stellt der Vorsitzende der FDP-Rastfraktion, Hans-Richard Schwartz, den nachfolgenden Antrag:
"Die FDP-Fraktion bittet für die nächste Sitzung des Sozialausschusses um Aufnahme des Tagesordnungspunktes
Seniorenservicebüro.
Wir sind durch die Kommunale Gesundheitskonferenz beauftragt worden, die beigefügte „Stellungnahme der Kommunalen Gesundheitskonferenz zu der Einrichtung eines Seniorenservicebüros in Oldenburg“ in den Sozialausschuss einzubringen.Der Fachausschuss sollte zügig die sich aus diesem Papier ergebenden Schlussfolgerungen ziehen und insbesondere einen niedrigschwelligen, zentrumsnahen Standort für das Projekt festlegen.
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Stellungnahme der Kommunalen Gesundheitskonferenz zu der Einrichtung eines Seniorenservicebüros in Oldenburg
Die Kommunale Gesundheitskonferenz Oldenburg begrüßt die Einrichtung eines
Seniorenservicebüros in der Stadt Oldenburg. Sie gibt mit dieser Stellungnahme zu
dem geplanten Seniorenservicebüro Hinweise für die inhaltliche Ausgestaltung
dieser wichtigen neuen Schnittstelle in der Altenhilfe Oldenburgs.
Als Grundlage dieser Stellungnahme dient der Antrag der Stadt Oldenburg von 2011
auf Gewährung einer Zuwendung des Landes Niedersachsen, die Richtlinie über die
Gewährung von Zuwendungen zur Förderung von Seniorenservicebüros – Erl. d. MS
vom 15.12.2008 sowie das Rahmenpapier zum Landesprogramm „Leben und
Wohnen im Alter – Förderung von Seniorenservicebüros, Freiwilliges Jahr für
Seniorinnen und Senioren, Seniorenbegleitung und Wohnberatung im Alter –
09/2010.
Der Kommunalen Gesundheitskonferenz ist es wichtig, dass im zukünftigen
Seniorenservicebüro auch ein Fokus auf die Förderung von Gesundheit und
Vermeidung von Krankheit gelegt wird. Soziale Integration und Beteiligung sind
notwendige Voraussetzungen dafür.
Aber auch wenn bereits körperliche und geistige Einschränkungen vorliegen, haben
Angebote der Prävention und Gesundheitsförderung einen positiven Einfluss auf die
Aktivität im Alter.
1. Trägerschaft und Standort
Das Seniorenservicebüro sollte sich als unabhängige Einrichtung verstehen. Die
Anbindung an einen freien Träger/ Wohlfahrtsverband oder an die Kommune (beides
ist laut Richtlinie möglich) haben jeweils spezifische Vor- und Nachteile. Eine
Trägerschaft durch das Sozialamt kann für ältere Menschen auch eine große
Hemmschwelle in Bezug auf die Annahme des Beratungsangebots darstellen. Es
stellt sich die Frage, wie bei bestimmten sozialhilferechtlichen Fragestellungen
(beispielsweise mögliche ergänzende Ansprüche auf Grundsicherung im Alter,
Fragen zur Anrechnung von Einkommen, Grundbesitz und sonstiges Vermögen) eine
unabhängige, vertrauliche Beratung im Sozialamt gewährleistet sein kann.
Die vorgeschlagenen Räumlichkeiten im Sozialamt, Pferdemarkt 14 stellen nach
Meinung der Kommunalen Gesundheitskonferenz ebenso eine Hemmschwelle dar.
Viele ältere Menschen und deren Angehörige begegnen diesem Ort mit Vorbehalten
und sehen sich dort eher in der Rolle des Hilfeempfängers. Insbesondere alten
Menschen, die nicht von Armut betroffen sind, aber einen psycho-sozialen
Beratungsbedarf haben, ist nur schwer zu vermitteln, warum sie für Beratung in
Bezug auf Altersfragen eine Beratungsstelle im Sozialamt aufsuchen müssen.
Neben einer anderen inhaltlichen Anbindung wird auch eine andere räumliche
Anbindung der Beratungsstelle als sinnvoll erachtet. Eine Verortung des
Seniorenservicebüros in der GSG oder in der Verbraucherzentrale stellt zunächst
eine mögliche Option dar.
Hier wäre eine öffentliche Diskussion zur Trägerschaft und zum optimalen Standort
wünschenswert. Im Interesse der alten Menschen sollten Trägerschaft und Standort
für zukünftige Entwicklungen sorgfältig und offen im Blick auf ihre Passgenauigkeit
beobachtet werden.
2. Stellenanforderung, Aufgaben und Zielgruppen
Die Kommunale Gesundheitskonferenz sieht die professionelle Beratung als einen
Schwerpunkt des Seniorenservicebüros. Dies bedeutet, dass die Beratungskraft die
Beratung auf Grundlage eines wissenschaftlich fundierten Handlungskonzepts
durchführt und über Theorie und Methodik kontextgebundener Einzel- und
Gruppenberatung (vgl. Deutsche Gesellschaft für Beratung) verfügt.
Die entsprechenden Vorraussetzungen finden sich besonders in den Berufsfeldern
Sozialarbeit/ Sozialpädagogik, Pädagogik und Gerontologie wieder.
Die Kommunale Gesundheitskonferenz begrüßt, dass im geplanten
Seniorenservicebüro der Bereich der Netzwerkarbeit - neben der professionellen
Beratungsarbeit - eine zentrale Aufgabe ist. Dies erfordert erfahrungsgemäß einen
hohen Zeitaufwand und darf nicht zu Lasten der professionellen individuellen
Einzelberatung gehen.
Wichtig ist, dass die Beratung professionell erfolgt und nicht ehrenamtlich abgedeckt
wird. Selbstverständlich sollten zusätzlich weitere Beratungsangebote
(Seniorenvertretung, Rentenberatung etc.) vorgehalten werden.
Die Zielgruppe des Seniorenservicebüros sind laut städtischem Antrag ältere
Menschen, deren Angehörige und auch Ehrenamtliche.
Darin stimmt die Kommunale Gesundheitskonferenz dem Antrag eindeutig zu. Offen
bleiben die Fragen, ob es eine Altersgrenze für die potentiellen „alten“ Kunden/
Klienten (55+?) gibt und welche örtliche Zuständigkeit besteht.
3. Weitere Fragestellungen
* Im Antrag und in der Projekt-Vorstellung (Sozialausschuss vom 22.2.2011) des Sozialamtes wird nicht deutlich, welche Stellenanteile und Qualifikationen die schon jetzt beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fachstelle Alter haben.
* Ferner ist nicht ersichtlich, wie sich die neuen Stellenanteile, die im Seniorenservicebüro für die Bereiche Wohnberatung, allgemeine Beratung und Koordination verteilen. Hierzu gehört auch die Angabe der Qualfiikation der/des neuen Mitarbeiterinnen/Mitarbeiters.
* Das Konzept der Fachstelle Alter soltle zur besseren Orientierung und Planung - auch schon im Vorfeld - vorgelegt werden.
* Wie kann die Zuammenarbeit des Seniorenservicebüros mit den dezentralen Stadtteilprojekten der offenen Altenhilfe sichergestellt werden, vor allem wenn im Förderzeitraum des Seniorenservicebüros die Finanzierung der dezentralen Stadtteilprojekte ausläuft?
April 2011













